Manche tun so, als hätten sie mit der Wahrheit die Taschen voll und brauchten sie nur so weiterzugeben, die »reine Wahrheit«, wie sie meinen. Mir geht es so, dass ich vorsichtig werde, wenn ich Menschen treffe, die meinen, »die« Wahrheit verkünden zu können. Sie berufen sich auf das, was sie gerade gelesen oder studiert, gehört oder anvertraut bekommen haben. Aber andere haben etwas anderes gelesen, anderes studiert, anderes gehört oder anvertraut bekommen. Manche sagen, die Wahrheit liegt dann wohl in der Mitte. Aber das ist wirklich nicht immer so. Pablo Picasso, der bildende Künstler aus Spanien, sagt: »Gäbe es immer nur eine Wahrheit, könnte man von einem Thema keine hundert Bilder machen.«
Sie schillert also oft, die Wahrheit. Es gibt sie von ein und demselben Gegenstand in mehreren Ausgaben. Das hilft uns: Wir müssen nicht mehr jedem nachlaufen, der sagt, er habe sie gepachtet.
Wolfgang Fietkau
Vagus, Baby!
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Das philosophische Nervensystem
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